Würfelgeflüster – Des Spielleiters Leid

Es ist normalerweise nicht meine Art, dass ich meinem Frust so öffentlich Luft mache, aber da nicht nur ich diesen Trend beobachte, muss das einfach mal sein. Ich bin wirklich gerne Spielleiter, viel lieber als Spieler. Angefangen von der Vorbereitung, das Kreieren des Abenteuers und dem eigentlichen Spielen, bin ich gerne derjenige mit den Schnüren in der Hand. Wer mit mir schon gespielt hat, weiß aber, dass ich einen sehr offenen Spielleiterstil habe und auf fast alles eingehe, was die Spieler vorschlagen und bin nie einer alternativen Herangehensweise abgeneigt.

Dennoch gibt es einige Sachen, die mir immer wieder den Spaß verleiden und das sind die Spieler selbst. Und damit meine ich nicht meine alteingesessenen Stammspieler aus meinem Pool, sondern eben Leute, die in eine neue Gruppe kommen oder eben an einer Spontanrunde teilnehmen. Leider habe ich es schon oft genug erlebt, dass sich Leute für eine meiner vielen Spontanrunden, Minikampagnen oder auch festen Runden gemeldet haben und dann entweder a) ziemlich direkt danach wieder absagen (was nicht sooo das Problem ist) oder b) einfach nicht zur Runde auftauchen. Der Spezialfall ist dann noch, wenn derjenige während der Spielrunde dann online kommt und in einer anderen Runde mitmacht. Das ist zum einen sehr schade und zum anderen mehr als respektlos, den Spielern und dem Spielleiter entgegen. Viele wissen nicht, was man für Vorbereitung geleistet hat und wie viel Aufwand es teilweise gekostet hat.

Generell scheint das Konsumverhalten auch im Rollenspielbereich angekommen zu sein, man hat ein Überangebot und man kann sich jederzeit um entscheiden und der Rest guckt in die Röhre. Sorgt das dafür, dass ich nicht mehr Spielleiten will? Nein, aber es sorgt dafür, dass ich mir die Leute genauer ansehe und zur Not auch öffentlich bloßstellen muss, wenn man oben angeführtes Verhalten an den Tag legt.

Ein ganz anderes Thema ist das „Jetzt sofort oder gar nicht“-Verhalten. Viele Einsteiger meinen, dass man sofort loslegen muss und wenn das nicht geht oder nach einer Runde etwas Verzögerung eintritt, dann waren sie nie wieder gesehen. Und das, obwohl man für sie eine komplette Runde gestaltet hat. Liebe Einsteiger ins Rollenspiel, bitte beachtet, dass man nicht von jetzt auf gleich eine komplette Kampagne aus dem Boden stampfen kann, schon gar nicht, wenn das System komplexer ist.

Das führt mich zum nächsten Punkt, Vorbereitung von Spielern. Es ist kein Problem, wenn man nur mal irgendwo reinschnuppern will, dafür gibt es Spontanrunden. Aber trotzdem sollte man sich zumindest mal überlegt haben, was man denn spielen will (von der Rolle/Persönlichkeit her gesehen) und wenn es in einem bekannten Universum spielt (Star Wars, Warhammer, usw.) dann sollte man sich das auch angucken und nicht aus allen Wolken fallen bei der Spielrunde. Und in einer Kampagne erst recht, ich gehe wenige Hausaufgaben und erwarte nicht, dass man ellenlange Tagebücher führt (das tue ich auch nicht), aber wenn Charaktere einen Stufenaufstieg erleben und Auswahlmöglichkeiten haben, dann bitte vorher überlegen und nicht die Spielrunde ewig aufhalten. Auch in den Runden, in denen ich Spieler war, kamen genug Spieler völlig unvorbereitet und fanden nicht einmal mehr ihren Charakterbogen, ganz zu schweigen davon, dass die Regeln selbst nach Monaten des Spielens nicht beherrscht wurden.

Und da sind wir wieder bei einem neuen Punkt, Regeln. Ja, manches Regelwerk ist komplex, umfangreich und hat seine Tücken, etwa die Lieblingssimulation des Deutschen. Als Spielleiter muss man doch so ziemlich alle wichtigen Regeln beherrschen und da sehe ich oft ganze Gruppen, die „nur noch“ einen Spielleiter brauchen. Und man hat auch gleich noch eine ganze Reihe an Wünschen, was der so machen und können soll. Liebe Spieler, bitte nehmt euch doch mal die Zeit und macht euch die Arbeit und leitet selbst. Nur ein einziges Mal, damit ihr die Arbeit eines Spielleiters zu würdigen wisst. Ich will keine Huldigung oder sonst was, ich möchte nur, dass euch bewusst ist, was Spielleiten für ein Aufwand sein KANN und was alles dazu gehört der Runde Leben einzuhauchen.

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