Würfelgeflüster – Das schlechteste Spiel des Jahres

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Ich liebe es neue Spiele kennenzulernen, sie auszuprobieren und wenn mir etwas gefällt, dann stelle ich es hier vor. Die meisten Leser wissen das, denn genau aus dem Grund wird mein Blog ja auch gelesen. Was mit anderen Spielen, also die nicht gut sind, ist, das weiß eigentlich kaum einer. Und an sich will ich das auch so lassen, aber ein Spiel hat bei mir dem Fass den Boden ausgeschlagen und dann muss ich jetzt doch mal meckern.


An sich meckere ich ja schon gerne, ich rege mich auch mal auf, in meinen Monatszusammenfassungen habe ich dafür ja sogar einen Bereich, aber ansonsten tue ich es hier wenig. Ich mag auch Crowdfundings, auch wenn ich mein Verhalten dort doch ziemlich geändert habe. Grund dafür ist unter anderem Pilgrims of Rao. Ich hole bewusst ein wenig mehr aus, damit man später meiner Argumentation besser folgen kann. PoR wurde beworben als kooperatives Spiel in einer fantastischen Welt, welche besonders für Oneshots gut geeignet ist und wo die Welt jedes Mal ein wenig anders ist. Der Grafikstil wirkte etwas niedlicher und machte den Eindruck, dass man eher Kinder spielt oder es eben auch für Kinder geeignet ist. Fertig werden sollte es im Dezember 2015.

Jetzt haben wir Juni 2018 und ich habe seit einigen Tagen endlich die PDF auf meinem Rechner. Ehrlich gesagt hatte ich zu dem Zeitpunkt schon keine Lust darauf, denn es wurde zwischenzeitlich immer wieder versprochen, dass es bald fertig sei. Es gab zwischendurch zwei Backerdrafts, allerdings nur in Wordformatierung, die sich nur mit Anstrengung lesen ließ. Vor Wochen kam dann die Ankündigung, dass PoR bei Amazon Print on Demand bereits erhältlich sei, die PDF sollte dann bald folgen, Backer würden dann auch irgendwann ihre gedruckten Versionen bekommen. In meinen Augen geht das gar nicht. Wenn ich etwas per Crowdfunding finanziere, dann sollten meine Backer auch als erstes die Belohnungen bekommen. Ohne die Unterstützer gäbe es ja kein Produkt, aber ich weiß, dass es genügend andersläufige Meinungen gibt. Es hat dann noch Ewigkeiten gebraucht, bis die PDF dann mal ihren Weg zu uns gefunden hat.

Nun war ich aber doch neugierig und wollte wissen, ob das versprochene tolle Spiel hält was es verspricht. Meist lese ich für ein erstes Gefühl quer und schaue mir die wichtigsten Dinge an (Charaktergenerierung, Würfelsystem und Spielleiterpart). Aber hier wollte ich es wissen und fing ganz von vorne an. Wohlwollend nahm ich den Hinweis zur Kenntnis, dass das Buch alles beinhaltet, um PoR zu spielen. Und dann direkt am Anfang dann schon das erste Stirnrunzeln, denn eine Session PoR sollte 30 bis 90 Minuten dauern. Ich weiß nicht, wie es bei anderen Gruppen ist, aber nach einer halben Stunde haben meine Runden erst die Einführung ins Abenteuer hinter sich und den großen Zeh ins Wasser getaucht. Aber gut, vielleicht ist das System ja so schnell, dass man das hinbekommt.

Dann kam der Part zum Weltenbau, also eigentlich nur ein wenig Hingeschmiertes, dass man auf die Karte Hexfelder setzt. Wie man alles ausgestaltet steht da nicht, nur was von Städten und Dungeons und welche Aktionen da wie viele Punkte kosten und wie weit man sich bewegen kann. Es gibt dann einige Bemerkungen zu Encountern und einen leeren Statblock für Monster/Gegner. Und dann kommt eigentlich schon der Part zum Kampf. Alles schön mit Battlemap und Manövern und ich habe mich schon wie bei DnD4 gefühlt, mit all den vielen Aktionen. Bei Fragged Empire kann ein taktischer Kampf ruhig mal eine Stunde dauern…wie kann ich da in PoR in einer halben Stunde durch sein? Soziale Interaktionen haben auch ein Kampfsystem, mitsamt Gefühleskala und allem Drum und Dran. Aber Gegner habe ich noch keine gefunden, naja, ein leerer Statblock tut es ja auch.

Mein Lieblingspart ist der Settingabschnitt im Buch. Auf einer Dreiviertelseite wird grob die Geschichte der Welt abgehandelt. Fertig ist das Setting, dann kann man ja direkt losspielen. Ich habe jetzt den perfekten Überblick über die Welt und weiß, was man für Abenteuer erleben kann.

Charaktere sind nicht sonderlich besonders, man hat Attribute und Fertigkeiten, es gibt kurze Beschreibungen zu Spezies, die aber mehr Fluff sind. Dann gibt es Archetypen und auf den ersten Blick sind die auch nur Fluff, später hinten im Buch findet man dann die Feats/Traits/Talents der einzelnen Archetypen, ich fühle mich schon wieder wie bei DnD4.

Dann endlich der Part zu den Fertigkeiten. So oft wurde vorher im Buch was von Proben erzählt, aber niemand hatte erklärt, wie das damit den funktioniert. Und in diesem Bereich musste ich erstmal mächtig suchen, wie man eine Probe denn eigentlich ablegt oder welche Würfel man verwendet. Es gibt drei Stufen bei Fertigkeiten, ungelernt, trainiert und gemeistert und je nachdem würfelt man ein, zwei oder drei W6 und muss die Schwierigkeit schaffen.

Im Anschluss gibt es dann ein dickes Kapitel mit Ausrüstung, Crafting und dann folgen die Zusatzregeln. Hier kann man dann Begleiter bekommen, Reittiere oder gleich ein eigenes Gewerbe oder eine Zuflucht.

Moment mal, fehlt da nicht irgendwie noch was? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass da was fehlt. Achja, meine Monster. Die gibt es hier nicht. Auch auf einen Spielleiterpart wurde verzichtet. Keine Hinweise zu Schwierigkeiten, Gegnerbau, Abenteuergestaltung oder gar, wie man Kampagnen kreiert. Naja, es sollen ja vor allem Oneshots gespielt werden in dieser tollen Welt, von der ich nur den Namen und fünf Eckpunkte erfahren habe. Vielleicht gab es ja einen Fehler und das PDF ist nicht vollständig, also habe ich beim Macher nachgefragt. Für die Monster wurde ich auf den (leeren) Statblock am Anfang verwiesen. Für Setting auf die Dreiviertelseite und auf die Beschreibungen den Archetypen und einzelne Parts der Charaktergenerierung.

Und dann gab es von ihm noch einen Link. Dieser führte mich zu einem Google Drive, wo dann wild durcheinander irgendwelche Textdokumente waren. Hier gab es dann (in bester Wordformatierung) Texte zum Setting und, nach langer Suche, auch mal Monsterstats. Ich möchte hier nochmal auf die Aussage direkt zu Beginn hinweisen: „Dieses Buch beinhaltet Nötige zum Spielen von PoR.“ Würde ich es jetzt absolut ernst nehmen, dann ist das für mich eine Verbrauchertäuschung, aber wir sind in einem Hobby und PoR ist es mir nicht wert noch mehr Zeit damit zu verschwenden. Ich sehe den bezahlten Preis für die PDF eher als Lehrgeld, dass ich (was ich seit geraumer Zeit eh schon mache) gut darauf zu achten welche Spiele ich bei Crowdfundings unterstützte. Eine weitere Kampagne des werten Herren wird es definitiv nicht sein, denn ich bin maßlos enttäuscht.


Fazit:

Wer fleißig bei Kickstarter und Konsorten unterstützt, der kann sich auch mal in die Nesseln setzen. Das ist mir bis jetzt zum Glück noch nicht so oft passiert, denn mein Gefühl täuscht mich nur selten. Allerdings bin ich jetzt noch vorsichtiger geworden, denn ich habe nicht noch einmal Lust auf solch eine maßlose Enttäuschung wie Pilgrims of Rao.

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