Würfelgeflüster – Beschreibung, Immersion und Selbstverständlichkeit

Ich hatte am Wochenende zwei längere Autofahrten und hatte mir in weiser Voraussicht ein paar Hörbücher mitgenommen. Neben der guten Unterhaltung und vielen Ideen für eigene Settings, Abenteuer und Inhalte für meine Runden ist mir eines sehr aufgefallen: Die Beschreibung der Umgebung, was vom Leser/Zuhörer als gegeben vorausgesetzt wird und wie Welt nach und nach präsentiert wird. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich möchte mich den Themen mal etwas genauer widmen.


Eure Gruppe betritt das Gasthaus „Zum vollen Bierhumpen“, welches bereits gut gefüllt ist. Ihr schlängelt euch an einen freien Tisch und kommt dabei an der Theke vorbei, an welcher ein Zwerg damit beschäftigt ist ein Bier nach dem anderen zu zapfen. Die Schankmaid, eine junge Frau, kommt zu euch herüber und fragt euch nach eurer Bestellung. Danach bahnt sie sich einen Weg durch die Menge und kommt wenig später mit vier vollen Krügen Bier und stellt sie vor euch hin.

Eine solche Szene haben sicherlich schon viele von euch im Rollenspiel erlebt. Und ohne, dass ich etwas Genaueres sagen musste, hat vermutlich jeder beim Erwähnen des Zwerges eine kleine Person mit vollem Bart, dickem Bauch und kräftigen Armen vor Augen. Das Bier wird Zwergenbier sein, diese sind ja bekannt für ihre Braukunst und bei einem Zwerg kommt ja nur anständiges Bier, am besten aus eigener Brauerei, auf den Tisch. Ich habe natürlich keine repräsentativen Daten dazu, aber der Großteil der Leser wird wohl ebenfalls diese Meinung vertreten. Und genau das finde ich spannend. Viele wissen aus Medien wie ein Zwerg aussieht oder ein Orks und wie ihre Wesenszüge sind. Und vermutlich ist auch das der Grund, warum Fantasy als Genre am beliebtesten im Rollenspiel ist, irgendwie weiß jeder schon etwas und muss nicht groß etwas erklärt bekommen.

Und jetzt lasst uns mal einen Blick auf etwas anderes werfen, das Bier. Jeder Spieler hat seinen Humpen vor sich und trinkt einen Schluck schönes, kühles Bier. Und hier haben wir wieder eine Annahme. Wenn die typische Fantasywelt sich an unserem Mittelalter orientiert, dann haben wir hier ein Problem. Kühlschränke bzw. gekühlte Zapfanlagen sind etwas aus der Neuzeit. Es ist also kein schönes, kühles Bier, sondern ein warmes Getränk. Klar, in einem Genre wie Fantasy nach historischer Korrektheit und Logik zu fragen ist weit hergeholt, aber viele machen hier eine Annahme und nehmen Sachen als gegeben, die vielleicht gar nicht so sind.

Warum mache ich dieses Gedankenexperiment? Ich habe mir für dieses Jahr wieder vorgenommen als Spielleiter besser zu werden. Ich suche mir Aspekte auf die ich mich konzentrieren will und dieses Mal sind es Beschreibungen der Welt und Umgebung. Darunter fallen auch genau solche Dinge, wie oben angesprochen. Die Frage ist, wird das angenommen? Oder ist es überhaupt nötig? Bis jetzt hatte ich noch keinen Spieler, der detaillierte Fragen zu solch einer Gasthaus-Szene gefragt hat. Meine Spieler scheinen glücklich zu sein, wie ich derzeit als Spielleiter die Welt zum Leben erwecke. Und das führt mich zu einem anderen Thema, das da hineinspielt. Nämlich die Planung und Vorbereitung bzw. das Wissen und die Kohärenz der Spielwelt.

Ich bin ein sehr spontaner Spielleiter, der gerne improvisiert und lieber nur einen groben Rahmen hat, damit ich schnell auf Einwürfe und Ideen der Spieler eingehen kann. Jetzt sind wir aber wieder in dem Gasthaus und ich versuche die Szenerie zu beschreiben. Was gibt es denn nun hier zu trinken? Was wird gegessen? Passt alles in die generelle Gegend und was ist typisch für die Region. Das Ganze kann man sehr leicht ad absurdum führen und seitenweise Beschreibungen und Notizen vorbereiten, nur für eine kleine Szene in einem Gasthaus. Wie viel will man also in seine Welt stecken?

Meine Zeit für Vorbereitungen ist derzeit sehr begrenzt, neben der Arbeit sind noch Prüfungsvorbereitungen im Raum und ich möchte auch Zeit mit meiner Familie haben. Wie also vorgehen? Ich könnte mir natürlich ein fertiges Setting nehmen, am besten mit vielen Beschreibungen. DSA drückt sich da ja auf, eine detaillierte Welt in der man sogar Zusatzbände zum richtigen Durchführen der Reproduktion hat. Aber das muss man auch alles Lesen und sich merken können. Und da spielt dann wieder die Zeit rein. Oder macht man alles selbst? Das kostet auch Zeit, aber dann stammt alles aus einer Feder und man kann sich überlegen, wo man seine Schwerpunkte setzt.  Vermutlich mache ich mir zu viele Gedanken, denn meine Spieler sind mit meinen Leistungen als Spielleiter zufrieden. Vermutlich muss ich nicht alles genau planen, sondern lieber schöne Highlights setzen. Ich kann mich an eine Szene gut erinnern, bei der mir meine damalige Gruppe gesagt hat, dass sie diese so toll fanden. Wir haben in Shadow of the Demon Lord Halt in einer Stadt gemacht und der Gruppe wurde ein Gasthaus empfohlen. Die Spezialität des Hauses war ein Getränk, welches eigentlich ein Zaubertrank war, jedes Glas hatte einen anderen Effekt. Es waren alles mehr oder minder nur kosmetische Effekte (Farbänderungen von Haut und Haaren, kurze Schwebemomente, Nebel aus der Nase, usw.), aber meine Spieler hatten einen Heidenspaß.

Fazit:

Jetzt habe ich viel geschrieben, viele Fragen mehr oder minder offen gelassen, weil sie jeder für sich selbst lösen muss. Der Gedankenanstoß war mir wichtig, denn es liegt nicht nur am Spielleiter, sondern auch an den Spielern, die Welt zu hinterfragen und für eine tiefe Spielwelt zu sorgen. Ich gebe mir Mühe mehr solche Szenen zu gestalten und mehr auf die Umwelt und das Setting einzugehen, damit ich das Beste rausholen kann.

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