Würfelgeflüster – Charakterstellung, Gruppendynamik und Entwicklung

Meine Zeit für Rollenspiel ist derzeit etwas knapp und deshalb beschäftige ich mich wieder mehr mit anderen Medien. Dabei fällt mir oftmals auf, wie unterschiedlich teilweise die Stellung einzelner Personen ist. Natürlich ziehe ich dann immer wieder Vergleiche zu meinem liebsten Hobby und frage mich, wie es in einer Rollenspielgruppe läuft, wenn ein Spielercharakter etwas Besonderes ist oder eine andere Stellung hat und was das für das Rollenspiel und die Gruppendynamik bedeutet.


Vielleicht helfen zwei Beispiele zur Verdeutlichung meines Gedankenganges, in Tales of Zestiria, einem JRPG ist einer der Gruppencharaktere ein Hirte, eine Art vorbestimmter Retter der Welt, oder zumindest wird das gehofft und von ihm erwarten. Ein anderes Beispiel wäre Harry Potter, er ist der Junge der überlebt hat und es wird Großes von ihm erwartet. Jetzt nehmen wir mal an, dass wir sowas auch im Rollenspiel haben. Normalerweise rettet ja die komplette Gruppe die Welt, aber ein Spieler ist jetzt der Auserwählte. Die Welt beobachtet ihn und der Rest der Gruppe ist mehr oder minder nur Begleitung. Wie wirkt sich sowas auf die Rollenspielgruppe aus? Im Game of Thrones RPG ist es ja etwas abgeschwächter, da kann einer das Oberhaupt eines Hauses spielen oder einen der Erben und andere das Gefolge, bzw. Leibwächter, Bedienstete, Ritter, usw. Ein Spieler gibt hier dann schon den Ton an.

Ich habe GoT bis jetzt nur in einem Oneshot gespielt und kann daher noch nicht sagen, wie es sich im Laufe einer Kampagne entwickeln würde. Natürlich sprechen sich die eigentlichen Spieler vermutlich ab und man versucht für vieles einen Konsens zu finden, aber im Grunde könnte der eine Spieler dann im Spiel selbst bestimmen, wo es langgeht. Und bei dem Beispiel Harry Potter (oder einem ähnlichen Szenario) würde derjenige Spieler in meinen Augen deutlich mehr Spotlight bekommen. Für mich als Spielleiter wäre das schon eine gewisse Herausforderung, dafür zu sorgen, dass auch andere Spieler im Mittelpunkt stehen, denn ansonsten könnte es durchaus frustrierend werden.

Der größte Faktor hier sind natürlich die Spieler selbst. Wir hatten schon eine kurze Kampagne, in der ein Spieler der Kapitän des Piratenschiffes war, und wo das mehr oder minder funktioniert hat. Da gab es aber auch keine schwerwiegenden Entscheidungen oder große Meinungsverschiedenheiten in der Gruppe selbst. Ich kann mich an eine Runde erinnern, in der ich Spieler war und eigentlich einen ruhigen Charakter spielen wollte. Wir hatten einen selbsternannten Anführer, der allerdings entweder nicht an der Runde teilgenommen hat oder, wenn er denn mal da war, eigentlich keine Entscheidungen gefällt hat. Es wollte keiner so Recht eine Entscheidung fällen und so musste mein Charakter, weil ich als Spieler vorankommen wollte, den Plot vorantreiben. Und hier sieht man, wie wichtig es ist, dass es in der Gruppe stimmig ist. Ich wollte meinen Charakter anders spielen und konnte es nicht, ich musste für einen anderen einspringen. Und genau das kann natürlich in den oben genannten Fällen auch passieren. Der Spieler des Auserwählten könnte unentschlossen sein und der Rest müsste dann aushelfen.

Ich finde das Thema schwierig, aber auch spannend, denn eigentlich wollte ich mal ein solches Szenario mal bespielen und mache mir dementsprechend meine Gedanken. Wer weiß, ob dann ein Casting von Nöten ist oder das Experiment kläglich scheitert. Oder bleibt man einfach beim Altbewährten und lässt in der Gruppe alle mehr oder minder gleichberechtigt sein? Ich bin mir sicher, dass ich das eines Tages mal herausfinde und darüber dann berichte.

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