Scheherazade – Spielvorstellung

Ich muss zugeben, dass ich ein ganzes Weilchen gehadert habe mir Scheherazade zu kaufen. Zum einen fand ich den Preis für eine PDF mit relativ wenigen Seiten etwas hoch und zum anderen waren mir der Urheber und das Spielsystem unbekannt. Aber die Neugier hat dann doch gesiegt, die Beispielcharaktere, sowie Artwork und Layout waren zu verführerisch und ich habe es nicht bereut zugeschlagen zu haben.


Die Welt:

Die namensgebende Scheherazade kennt der ein oder andere als die Erzählerin der Geschichten aus 1001 Nacht. An genau dieser Dame orientiert sich das Spiel, denn Scheherazade erzählt dem Kalifen jeden Abend eine Geschichte und endet mit einem Cliffhanger, damit sie den nächsten Tag erlebt und nicht hingerichtet wird. Dies hat sie nun schon 1000 mal geschafft, doch sie muss sich keine Sorgen mehr machen, denn der Kalif hat sich schon längst in seine Unterhalterin verliebt und möchte sie am kommenden Tag ehelichen. Doch dazu kommt es nicht, denn Scheherazade wacht nicht mehr aus ihren Schlaf auf und niemand kann ein Gegenmittel finden. Der Kalif ist voller Trauer und Zorn und sein Reich droht zu zerfallen. Die Spielercharaktere sind allesamt schon Scheherazade begegnet und haben ihr von ihren Abenteuern erzählt, was sie wiederum in ihre Geschichten eingebaut hat. Die Charaktere hatten in der Nacht einen düsteren Albtraum und wissen, dass sie etwas tun müssen um das Reich und Scheherazade zu retten.

Das System:

Scheherazade basiert auf dem Unique System, mit dem jeder Spielercharakter einzigartig sein soll. Neben einem Konzept hat ein Charakter sechs Attribute. Der Spieler verteilt sogenannte Marks auf die Attribute und kann solche Marks auch gegen magische Fertigkeiten und erste Zauber eintauschen. Die Felder für die Attribute werden mit steigender Zahl in mehrere Teile geteilt, sodass man mehr Punkte ausgeben muss, um das Attribut zu steigern und werden durch Sterne, Herzen oder Quadrate dargestellt. Die Herzen ergeben die Lebenspunkte und die Sterne die Energie des Charakters, Quadrate haben keine Bedeutung. Darüber hinaus startet jeder Charakter mit einem einzigartigen Geschenk, welches den Charakter besonders macht. Die Formel erinnert an Fate, mit ihr erhält man etwa in besonderen Fällen Boni, hebelt möglicherweise die Regeln aus, bekommt ein Relikt oder einen Verbündeten oder eine ganz besondere Fertigkeit (z.B. die Gabe mit Tieren sprechen zu können). Es gibt eine sehr gute Erklärung, viele Beispiele und Zufallstabellen für jene, denen nichts so recht einfällt. Generell lässt sich die Charaktergenerierung über Tabellen gestalten.

Gegenstände haben grundsätzlich keinen mechanischen Effekt, sondern reinen erzählerischen Charakter. Einige Objekte aber sind besonders und haben Keywords (z.B. Tool oder Two Hands). Wer PbtA-Titel kennt, der fühlt sich hier relativ heimisch, diese Tags haben bei Scheherazade aber auch mechanische Effekte. Auch hier gibt es viele Hilfen und Beispiele, die Idee hinter dem System ist es, dass die Spieler mit dem einfachen Keyword-System ihre Ausrüstung individuell gestalten können.

Für Proben werden zwei Attribute kombiniert und die Anzahl an Marks in W6 gewürfelt, wobei jede 4, 5 und 6 ein Erfolg ist. Passt das Konzept zur Probe wird ihr Wert ebenfalls in Würfeln in die Probe integriert. Die Zahl an Erfolgen muss die Schwierigkeit schlagen. Ein Würfel soll sich von den anderen in der Aufmachung, Farbe oder Ähnliches unterscheiden, denn das ist der Schicksals-Würfel. Zeigt er eine 1 hat die Probe immer einen negativen und bei einer 6 immer einen positiven Beigeschmack, egal wie die Probe ausgefallen ist. Neben normalen Proben gibt es auch komplexe Proben bei denen man in bestimmten Intervallen würfeln muss und die Komplexität mit Erfolgen auf 0 reduzieren muss. Grundsätzlich würfeln nur die Spieler, wenn ein NPC angreift oder agiert, so würfeln die Spieler für die Verteidigung.

Im Kampf gibt es ausgewürfelte Initiative und Zonen in denen gekämpft wird. Ist der Angriffswurf erfolgreich, so kann man einen Effekt aussuchen, man fügt entweder Schaden zu behindert den Gegner, sodass sein Level um 1 reduziert wird. Für jeden weiteren gewürfelten Erfolg darf man sich wieder einen Effekt aussuchen. Was hat es mit dem Level des Gegners auf sich? Das Level ergibt die Schwierigkeit für den Wurf an, ein Bandit der Stufe 2 muss mit mindestens zwei Erfolgen angegriffen werden, damit man ihn trifft. Die Verteidigung funktioniert genauso, nur kann man anstatt dem Zufügen von Schaden einfach Schaden reduzieren. Scheherazade ist ein heroisches Spiel und so können die Charaktere nicht so einfach sterben, es gibt aber Regeln damit das Spiel etwas düsterer und gefährlicher wird.

Als besondere Ressource haben Spieler Mondpunkte. Mit ihnen können sie Würfe wiederholen oder Elemente in die Geschichte einarbeiten. Diese Punkte erhalten z.B. sie durch heroische Aktionen, kreative Lösungen für Probleme und das Erzählen von Geschichten am Lagerfeuer oder zwischen den Abenteuern. Das ist für mich eine der interessantesten Elemente von Scheherazade, denn auch durch die Geschichten lassen sich Elemente in die Spielwelt einfügen und die Spieler werden animiert kreativ zu sein.

Magie ist sehr simpel gehalten, interessant ist aber, dass Spieler nur am Anfang einige Zauber für Punkte erhalten können. Wer mehr Zauber beherrschen will, der muss sie in der Spielwelt suchen und studieren. Dieses Prinzip gibt es auch für viele andere Dinge, es gibt zwar Marks anstatt XP, der Spielleiter soll aber vor allem durch magische Objekte, Kontakte und Schätze belohnen. Zauber und auch manche Geschenke kosten Energie, welche ein Charakter aufbringen muss. Es gibt eine Auswahl an Zaubern, Artefakten und magischen Objekte, das meiste lässt sich aber aufgrund der einfachen Regeln sehr einfach selbst bauen.

Interessant finde ich, dass die beschriebenen Gegner größtenteils aus Beschreibung und Hintergrund bestehen, einige haben ebenfalls Keywords und eine Angabe, wenn Angriff oder Initiative veränderte Werte als ihr Level haben, aber ansonsten ist es extrem einfach selbst Gegner zu erstellen.

Das Buch:

Ich habe mir die PDF von Scheherazade gekauft, welche auf Englisch und vollfarbig ist. Die Zeichnungen haben mich letztlich zum Kauf gebracht, denn die sind einfach wunderschön und ich liebe diesen Stil. Das Layout ist sehr übersichtlich und gut zu lesen. Das Werk ist mit 171 Seiten relativ kurz, aber man bekommt alles, was man zum Spielen braucht. Es liebt aber auch am Spielleiter, dass er relativ viel selbst kreiert. Einen sehr guten Tipp finde ich, dass man sich 1001 Nacht nimmt und einfach eine Seite aufschlägt und dort Elemente für Abenteuer nimmt. Da meine Tochter es mag, dass man ihr vorliest ist das für mich die perfekte Gelegenheit mir dort Anregungen zu holen. 😀


Für wen ist Scheherazade ist:

  • Für Spieler und Spielleiter, die regelleichte, heroische Abenteuer spielen wollen
  • Für Leute, die den Fokus auf die Geschichte legen
  • Für Spieler, die sich gerne mit ihren Ideen einbringen wollen

Für wen ist Scheherazade nichts:

  • Für Spieler und Spielleiter, die umfangreiche Regeln wollen
  • Für Leute, die viel Material haben wollen
  • Für Spieler, die ihre Charaktere sehr detailliert mechanisch ausarbeiten wollen

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