Alien RPG – Fazit „Hope’s Last Day“

Ich hatte endlich die Gelegenheit das Alien RPG einmal auszuprobieren. Als Fan der Year Zero-Engine hat mich natürlich interessiert, wie die neuen Mechaniken im Spiel funktionieren und, wie sich das Spiel von Coriolis, einem meiner absoluten Favoriten, unterscheidet. Mit dem Cinematic Play-Abenteuer aus dem Grundregelwerk haben wir uns das Ganze mal genauer angeschaut.


Spielleiter:

KyoshiroKami

Spieler:

  • Bio117 als Hirsch, Ex-Marine
  • LM als Holroyd, Roughneck
  • Moerlin als Sigg, Scientist
  • Momosnyx als Singleton, Pilot

Als die Vorbesteller-Aktion für das Alien RPG anlief, habe ich sehr mit mir gehadert. Ich liebe die YZ-Engine, allerdings bin ich nicht der größte Alien-Fan. Ich mag die Filme, war mir aber nicht sicher, wie das im Spiel selbst funktionieren würde. Also habe ich es gelassen und wenn man sich ansieht, was es teilweise für Fehler in der Print-Fassung gibt und wie minderwertig die Würfel sind, hat mich mein Gefühl nicht getäuscht. Auch die neu angekündigte Starterbox hat mein Interesse geweckt, ich wollte aber diese Runde abwarten, bevor ich mich entscheide. Nach unserer Runde weiß ich, dass ich da die Finger von lassen sollte, denn für mich lohnt sich das Ganze nicht.

Aber erstmal ganz von vorne. Die Einführung in das Spiel ging extrem flott und dank des umfangreichen Charakterbogens bei Roll20 war das eigentliche Spiel extrem flüssig. Meine Spieler kannten teilweise die YZ-Engine, aber gerade für die Systemneulinge war es eine echte Erleichterung. Alle in der Runde haben toll mitgemacht und sich eingebracht, das hat richtig Spaß gemacht. Das Abenteuer ist auch für Conventions gedacht und daher in etwa zwei Stunden spielbar, wir haben etwa drei Stunden gebraucht. Das Finale endete für den Großteil der Spieler nicht gut. Dennoch hat es allen gefallen. Uns allen sind aber Probleme mit dem Spiel selbst aufgefallen und darüber haben wir auch noch ein ganzes Weilchen diskutiert.

Der Cinematic Play-Modus ist für Oneshots oder auch Fewshots ganz im Stile der Filme gedacht und natürlich kannten alle Spieler diese. Also hatten sie als Spieler eine grobe Vorahnung, was auf sie warten würde. Natürlich konnten sie Spieler- und Charakterwissen trennen, trotzdem war das etwas störend für einige. Ähnliches gibt es ja auch bei Cthulhu, wenn man die Kreaturen des Mythos ein wenig kennt. Meine Spieler hatten recht viel Glück bzw. haben sich umsichtig mit ihren Charakteren verhalten und so hatten sie eigentlich erst zum Schluss Kontakt mit den Xenomorph. Der Stealth-Modus aus dem Spiel ist in Ordnung, aber wenn ich es als Spielleiter darauf anlege, könnte ich das Abenteuer innerhalb von Minuten beenden. Das war natürlich nicht mein Ziel, aber das System selbst gibt nichts vor, wie sich passive Gegner bewegen, außer, dass sie nicht aktiv nach den Spielern suchen. Hier würde ich vermutlich für das nächste Mal eine Art Zufallstabelle erstellen, damit ich das randomisieren kann.

Sehr schnell haben meine Spieler mehrere Stress-Levels erhalten. Das ist eine der neuen Mechaniken und ich fand die Idee nett, im Spiel merkt man dann aber, dass es nicht das Wahre ist. Alle möglichen Ereignisse erhöhen den Level und für jeder Level darf man zusätzliche Würfel werfen, hat also eine höhere Chance auf Erfolg. Das ist grundsätzlich in Ordnung, bei einer 1 kommt aber ein Facehugger-Symbol und man muss einen Panik-Wurf machen. Leider ist die Tabelle für die Ergebnisse in meinen Augen nicht zielführend. An sich sollte die Stress-Mechanik ja einen zentralen Kern des Ganzen bilden, aber dafür ist die Tabelle einfach mit zu wenig Inhalt gefüllt. An sich kamen fast immer die gleichen Ergebnisse heraus und so wurde es teilweise schon etwas öde und durch viele Ergebnisse hat sich der Stress-Level einfach weiter erhöht, auch bei den umliegenden Charakteren. Somit hat man eine Art Spirale und tut mir Leid, aber wenn ein Charakter dreimal hintereinander ein nervöses Zucken bekommt, dann bringt das für das Spiel nichts.

Auch die Xenomorph verursachen gerne mal Panik-Würfe und hier gilt die gleiche Tabelle. Ein nervöses Zucken, wenn man einen Facehugger kurz vor dem Gesicht hat oder man von einem gewürgt wird, ist nicht passend. Hier bräuchte es vermutlich auch deutlich mehr Tabellen, etwa wie die kritischen Treffertabellen aus Warhammer oder Forbidden Lands, wo noch nach Waffenart, bzw. eben hier nach Panikquelle, unterschieden wird. Die Xenomorph besitzen auch Tabellen, die entscheiden, was das Wesen tut. Hier würfle ich als Spielleiter im Geheimen und im Gegensatz zu Forbidden Lands, gefiel mir das nicht so.

Jetzt haben wir das Abenteuer gespielt und eigentlich schon alles gesehen, denn in meinen Augen läuft das Cinematic Play immer recht ähnlich ab. Bleibt noch das Campaign-Play, also der Kampagnenmodus. Hier kann man Space Trucker, Colonial Marines oder auch Corporate Agents spielen. Parallelen zu Coriolis kann man hier nicht übersehen, letztlich ist es einfach Coriolis mit anderem Anstrich. Ok, nicht ganz, die Crew bekommt nicht als Ganzes ein Talent wie in Coriolis, und man muss sich den Mystiker wegdenken. Ehrlich gesagt gefällt mir da Coriolis tausend Mal besser für eine Kampagne. Vielleicht kann man bei den Job-Tabellen noch ein wenig was bei Alien klauen, aber mehr auch nicht. Selbst die Aliens lassen sich, zumindest für jene, welche sich mit der YZ-Engine schon etwas auskennen, extrem leicht selbst bauen. Und wenn man dann das Ganze mal gespielt hat, dann hatte man seinen Fanservice und hat eben ein Alien oder einen Facehugger oder so gesehen. Wenn man mehrere Mal spielt, dann läuft es auf das Gleiche hinaus. Ich weiß nicht, wie spannend es dann ist, wenn man mit dem dritten Charakter auf den dritten Facehugger trifft. Wenn ich das etwa mit The One Ring oder Adventures in Middle-Earth vergleiche, wo es jedes Mal spannend ist, wenn man auf Gandalf trifft Einfach weil mehr zu erwarten ist und die Interaktion eine deutlich andere ist, als mit einer Killermaschine.

Hätte ich damals das Alien RPG in der Print-Fassung vorbestellt oder selbst für die PDF den Vollpreis bezahlt und nicht wie jetzt gerade das Angebot genutzt, dann wäre ich mächtig enttäuscht gewesen. Es ist nett und sicher kann man ab und an eine Runde damit spielen, aber das war es auch. Wenn man dazu bedenkt, dass viele Seiten mit sehr wenig Text gefüllt sind und man das ganze Regelwerk vermutlich auf die Hälfte eindampfen könnte, dann hinterlässt das bei mir einen bitteren Nachgeschmack. Insgesamt ist das Alien RPG für mich das schwächste aller Year Zero-Spiele. Es lohnt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf die weiteren Bände und Abenteuer zu warten, denn nur für ein paar Lagepläne (die man entspannt selbst gestalten kann) und irgendwann mal neue Monsterwerte, muss man nicht so viel Geld ausgeben.


Fazit:

Wir hatten unseren Spaß, aber ich bin das erste Mal von einem Year Zero-Spiel enttäuscht und hätte das Ganze auch mit Coriolis spielen können. Dort bietet der Hintergrund zumindest deutlich mehr, damit man da ein Folgeabenteuer spielen kann. Der Fanservice war da, aber sonst bietet das Alien RPG einfach nichts für mich.

2 Gedanken zu “Alien RPG – Fazit „Hope’s Last Day“

  1. Interessant, eine andere Meinung zu hören. Ich mag das Spiel vom Lesen her, auch wenn ich es noch nicht spielen konnte (kommt aber noch). Deine Punkte kann ich nachvollziehen, auch wenn ich persönlich vieles davon nicht so ins Gewicht nehmen würde. Dass sich die Xenomorphe als Element abnutzen z.B. bzw. den Spielern zu beaknnt werden: letztlich ist das etwas ein Effekt, der bei vielen Spielen eintritt, wenn die Spieler*innen lange genug dabei sind. Auch bei DSA oder Shadowrun können sie irgendwann schon erahnen, was die Bedrohung ist.
    Tatsächlich konnte mir erst auch nicht vorstellen, wie „Alien“ als Rollenspiel, besonders als Kampagne, funktionieren soll. Mich persönlich hat es von der erweiterten Hintergrundwelt her aber überzeugt. Beim Campaign Play wird man allerdings tatsächlich etwas alleingelassen, bis auf die Zufallstabellen, da gebe ich dir. Der Fairness halber: damit haben viele Grundregelwerke ein Problem.
    Auf jeden Fall finde ich es gut genug, um mir Zusatzbände zu holen, die genau diese Lücke hoffentlich schließen. Ob man auf die Kaufszenarios nebst Zusatzmaterial steht, ist eine andere Sache, aber ja auch nur ein Teil des Ganzen, wenn auch zugegebenermaßen sehr prominent.

    Letztlich ist das aber alles Geschmackssache und ich finde es immer spannend zu sehen, wie und warum Urteile auseinander gehen. 😉

    Nur das Urteil „Jetzt haben wir das Abenteuer gespielt und eigentlich schon alles gesehen, denn in meinen Augen läuft das Cinematic Play immer recht ähnlich ab“ finde ich ziemlich hart dafür, dass ihr nur ein Kurzszenario gespielt habt.

    Gefällt mir

    • Gegenfrage: Wie viel unterschiedlicher sind denn die Cinematic Play-Abenteuer? Ich muss Alien immer mit Coriolis vergleichen und wenn ich mir anschaue, was ich jeweils spielen kann bzw. was möglich ist, dann ist Alien deutlich und mit Abstand der klare Verlierer.
      Und zu meinem Urteil: Ja, das ist hart. Aber das ist nunmal meine Meinung und mein Eindruck von dem Spiel. Alien ist im Vergleich zu vielen anderen Spielen sehr eindimensional, weil es eben „nur“ die Xenomorphs hat (über Jurassic Park oder Predator würde ich wohl ähnlich urteilen).

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s