Through Sunken Lands and Other Adventures – Spielvorstellung

Dieses Jahr gab es passend zu Weihnachten eine tolle Bescherung durch Flatland Games, die der ein oder andere durch das Spiel Beyond the Wall and Other Adventures kennt. Diesmal schlüpft man aber nicht in die Rolle von Jugendlichen in einem kleinen Dorf, sondern zieht in die weite Welt hinaus, plündert und erobert Städte und Ländereien und entdeckt verlorene Ruinen.


Die Welt:

Through Sunken Lands (TSL) ist wie Beyond the Wall (BtW) eine Sandbox, bietet allerdings etwas mehr Material. Die Welt wird grob beschrieben und es gibt auch Karten, die man als Gruppe benutzen kann. Wer das nicht möchte, kann wie in BtW sich einfach eigene Karten machen und diese bespielen. Das Setting orientiert sich an klassischen Werken des Sword & Sorcery-Genres wie Robert E. Howards Conan, Fritz Leibers Lankhmar und Moorcocks Eternal Champion. Die Beschreibung des Settings ist dabei lang genug, um ein grobes Bild zu bekommen und kurz genug, um viel Raum für Interpretation und Eigenkreationen zu lassen.

Das System:

Through Sunken Lands basiert auf dem gleichen System wie BtW und ist vollständig kompatibel. Darauf wird auch im Buch immer wieder Bezug genommen, die Playbooks beider Spiele lassen sich im jeweils anderen Spiel nutzen. TSL ist ein OSR und für alle Proben wird ein W20 verwendet. Für normale Proben muss man gleich oder unter seinem Attributswert würfeln, wobei Fertigkeiten einen Bonus von +2 geben. Rettungswürfe und Angriffswürfe hingegen müssen gleich oder größer dem entsprechenden Wert sein, damit sie erfolgreich sind.

Charaktere werden über Playbooks erstellt. Grundsätzlich gibt es die drei Klassen Krieger, Schurke und Magier, wobei es auch Multiclassing-Charaktere gibt. Mit dem Playbook erwürfelt man den Hintergrund und die Geschichte seines Charakters. Das ist die große Stärke von TSL und BtW, man hat innerhalb weniger Minuten einen interessanten Charakter. In TSL startet man auf Stufe 2 und ist dadurch schon recht kompetent. Man spielt Charaktere wie den barbarischen Eroberer (Conan lässt grüßen), den Piratenkapitän oder etwa den Tempelwächter. Jede Klasse kommt mit eigenen Stärken und durch die Playbooks werden die erhaltenen Fertigkeiten, Attributssteigerungen und eventuelle Zauber per Zufall ausgewählt. Zauber werden in drei Kategorien eingeteilt: Cantrips, Sprüche und Rituale. Ein Magier kann so viele Sprüche am Tag zaubern, wie sein Level ist, diese gelingen aber dafür automatisch. Für die anderen beiden Varianten muss er jeweils einen Wurf ableisten. Es gibt eine Reihe an Zaubern im Buch, die meisten Zauber aus OSR sollten sich aber auch konvertieren lassen.

Kampf und Heilung sind sehr minimalistisch gehalten und auch der Ausrüstungsteil des Buches ist sehr kurz. Generell ist der Gruppe in TSL und BtW sehr viel selbst überlassen, wenn man denn mehr Inhalte in diesen Bereichen haben möchte. Was in TSL aber dazu kommt ist das Massenschlachtensystem. Wer hier vielfältige, taktische Möglichkeiten erwartet ist fehl am Platz. Stattdessen kann man recht schnell filmgleiche Kämpfe abwickeln, bei denen die Charaktere in Highlightszenen den Ausgang der Schlacht durchaus wenden können. Diese Kämpfe sind in drei Phasen geteilt: Vorbereitung, eigentliche Schlacht und Nachwirkungen. In der ersten Phase können die jeweiligen Seiten das Schlachtfeld erkunden, die Truppen drillen oder Taktiken vorbereiten. Das Ergebnis der Proben beeinflusst den Schlachtverlauf später. In der eigentlichen Schlacht würfeln die jeweiligen Anführer, wie sie die Schlacht führen und die vorherigen Vorbereitungen, sowie die Anzahl an Soldaten, geben entsprechende Boni oder Mali. Nach diesem Wurf dürfen die Spieler jeweils eine Szene ausspielen, wie sie das Kampfgeschehen beeinflussen wollen, sei es ein Duell mit einem wichtigen Gegner, der Kampf mit zahllosen Soldaten oder auch geheime Missionen. All diese Aktionen werden dann zum Kampf-Wurf des Anführers gerechnet und nach einer Tabelle wird abgelesen, wie erfolgreich die Schlacht war. Dann kann sich die Gruppe aus Wahlmöglichkeiten aussuchen, was sie mit ihren Erfolgen (und Misserfolgen) anstellen wollen, sei es Gegner gefangen nehmen, Schaden verursachen, Plündern oder eben selbst Verluste einstecken.

Ein weiterer sehr interessanter Part sind die Reisen zur See. Die Gruppe hat die Wahl zwischen schnellem Reisen (also in der Regeln ohne Ereignisse und die Reise erfolgt nach Erzählung des SL), der Hex-Feld-Erkundung aus Further Afield (ein BtW-Supplement, welches man dann benötigt) oder einer Mittellösung. Hierbei wird die Länge der Reise mit einkalkuliert und ein Wurf des Navigators oder Kapitäns entscheidet über die Zahl an Begegnungen.

Das Herzstück von TSL sind, neben den Playbooks, die Szenario-Packs. In Kombination der Beiden kann ein Spielleiter ohne Vorbereitung ein Abenteuer spielen. Während die Spieler mit den Playbooks ihren Charakter bauen würfelt der Spielleiter Gegebenheiten aus. An einigen Stellen werden explizit Dinge von den Charakteren verwendet, um so eine Motivation zu schaffen.

Das Buch:

Through Sunken Lands hat 217 Seiten und ist vollfarbig. Layout und Schriftsatz ist wie in BtW und ordentlich lesbar. Ein Teil der Bilder ist vollfarbig und erinnert mich teilweise an The One Ring, andere wiederum sind komplett in Blau gehalten. Ich hätte mir einen einheitlichen Stil gewünscht, obwohl mir generell das Artwork gut gefällt. Das Spiel kommt mit drei sehr unterschiedlichen Szenario-Packs und neun Playbooks, ein guter Startpunkt für erste Abenteuer.


Für wen ist Through Sunken Lands and Other Adventures etwas:

  • Für Spieler und Spielleiter, die eher weniger Regeln und Flexibilität mögen
  • Für Leute, die gerne selbst viel erarbeiten
  • Für Spieler, die den Fokus eher auf Erzählung als auf Mechaniken legen

Für wen ist Through Sunken Lands and Other Adventures nichts:

  • Für Spieler und Spielleiter, die ein Regelwerk wollen, was möglichst alles abdeckt
  • Für Leute, die eine umfangreiche Settingbeschreibung benötigen
  • Für Spieler, die komplexe Charakterentwicklung haben wollen

2 Gedanken zu “Through Sunken Lands and Other Adventures – Spielvorstellung

  1. Pingback: Through Sunken Lands and other adventures - PnPnews.de

  2. Pingback: Through Sunken Lands – Fazit „The Treasure Hunt” | Würfelabenteurer

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