Ironsworn – Spielvorstellung

Immer mehr Solo-Rollenspiele bevölkern den Rollenspielmarkt. Der Wunsch sich alleine in Abenteuer zu stürzen, ohne eine Gruppe finden zu müssen, scheint groß zu sein. Mit Ironsworn bekommt der deutsche Markt nun ein Rollenspiel, welches mehrere Spielvarianten anbietet und dadurch äußerst flexibel ist. Da das System sich auch noch an Powered by the Apocalypse (PbtA) orientiert, ist es für mich sehr interessant und so werfen wir doch mal einen Blick auf das Spiel.


Die Welt:

Ironsworn spielt in den Eisenlanden, einer harschen Landschaft mit rauem Wetter und voller Gefahren. Vor zwei Generationen wurde das Volk, welches sich jetzt Eisenländer nennt, aus ihrer alten Heimat vertrieben und muss nun hier zurechtkommen. Es gibt wenige Städte, sondern eher kleinere Siedlungen und viele Orte sind eher isoliert. Von den Bildern und Beschreibungen haben die Eisenlande für mich viel von Skandinavien bzw. Britannien, mithilfe von Worksheets kann man aber seine Variante der Eisenlande kreieren und individualisieren.

Die Spieler verkörpern in dieser Welt sogenannte Eisengeschworene, denen das Schicksal vorbestimmt hat, dass sie hinausziehen und Abenteuer erleben sollen. Der Name stammt daher, dass sie Eiserne Eide leisten, also Schwüre auf ein Stück Eisen, welches relativ selten ist, leisten. Ein solcher Eid muss erfüllt werden, da man sonst seine Ehre verliert und entsprechende Konsequenzen erleidet.

Das System:

Ironsworn orientiert sich bei vielen Elementen an PbtA. Charaktere werden durch ihre fünf Attribute (Geschick, Herz, Eisen, Schatten und Verstand) definiert und relevante Ereignisse über Spielzüge abgehandelt. Allerdings verwendet Ironsworn keine Spielbücher, sondern besitzt eine freie Charaktergenerierung. Der jeweilige Spielzug definiert welches Attribut für die Probe herangezogen wird und man würfelt zwei zehnseitige und einen sechsseitigen Würfel. Der W6 ist der Aktionswürfel und zu dem Ergebnis wird das Attribut hinzuaddiert, weitere Boni können dessen Summe beeinflussen, das Maximum beträgt aber 10. Die beiden W10 heißen Herausforderungswürfel und der Aktionswert muss größer (nicht größer oder gleich) sein. Ist die Summe größer beider W10, dann hat man einen Vollen Erfolg, wird einer überboten, dann einen Teilerfolg und wenn er kleiner oder gleich der beiden W10 ist, dann war die Probe ein Fehlschlag. Bei einem Pasch der Herausforderungswürfel soll es zusätzlich eine Überraschung oder Wende geben, welche die Erzählung beeinflusst. Das Blatt wenden kann man mit Momentum, dieses kann man etwa durch Spielzüge erhalten (und auch verlieren) und im richtigen Moment verbrennen. Dadurch setzt man sein Momentum zurück, ignoriert aber Herausforderungswürfel deren Augenzahl unter dem Momentumwert liegt.

Fast alles wird mit Fortschrittsleisten abgebildet, egal ob Gegner, Reisen, die Erfüllung von Eiden oder sonstigen Problemen. Alles hat eine Schwierigkeit, die in fünf Stufen eingeteilt sind (lästig, gefährlich, gewaltig, extrem und episch). Je nach Schwierigkeit wird bei einer erfolgreichen Probe mehr von der Fortschrittsleiste markiert. Ein Kästchen ist voll, wenn es vier Striche (bildet einen Stern) hat. Wenn sich der Spieler bereit fühlt, dann macht er einen Fortschrittsspielzug. Hierbei kommt kein Aktionswürfel zum Einsatz, sondern die Anzahl an vollgefüllten Kästchen (Sterne) der Leiste werden herangezogen. Je voller die Leiste, umso höher die Erfolgswahrscheinlichkeit (Momentum kann hier nicht verwendet werden und die Leiste muss auch nicht komplett gefüllt sein).

Schaden, Belastung und Zustände sind sehr übersichtlich und machen Reisen und Kämpfe sehr spannend, aber auch gefährlich. Auf dem Charakterbogen wird das meiste mithilfe von Büroklammern am Rand markiert. Hier auch ein Lob an den gut gestalteten Charakterbogen.

Es gibt insgesamt drei verschiedene Spielmodi in Ironsworn. Man kann klassisch mit einem Spielleiter und einer Gruppe spielen. Wer möchte, der kann spielleiterlos im Koop-Modus die Eisernen Lande erleben und man kann ganz alleine den Solo-Modus bestreiten. Die Spielzüge sind so gestaltet, dass alle Modi gut funktionieren. Ist man sich unsicher, dann kann man einen Orakelwurf vollführen. Dies ist ein Wurf mit einem hundertseitigen Würfel (W100) und es gibt im Buch eine Vielzahl an Tabellen für Orte, Ideen, Motivationen und noch vieles mehr. Auch Ja-und-Nein-Fragen oder Entscheidungen zwischen zwei Möglichkeiten lassen sich mit dem Orakelwurf klären.

Erfahrungspunkte erhält der Spieler durch die Erfüllung von Eiden, je höher die Schwierigkeit, umso mehr Punkte gibt es. Diese kann man einsetzen, um etwa seine Ressourcen zu verbessern. Ressourcen sind Begleiter, Kampftechniken oder auch Magie. Das Spiel benutzt Karten für diese Ressourcen und ermöglichen einem die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Jeder Charakter startet bereits mit einigen Ressourcen, die er frei wählen kann.

Ironsworn ist mit seinen Regeln in meinen Augen sehr übersichtlich und gut durchdacht, was einen einfachen Einstieg ins Solo-Rollenspiel ermöglicht. Wer Ironsworn anpassen möchte, etwa in einem anderen Setting oder seine eigenen Ressourcen erstellen möchte, der findet im Regelwerk auch die nötigen Hilfen. Auch hier kann man wieder die deutliche Beeinflussung durch PbtA erkennen.

Das Buch:

Ironsworn ist in Englisch und Deutsch erhältlich, das Buch hat knapp über 280 Seiten und ist in Schwarz-Weiß gehalten. Die Abbildungen sind sehr stimmig und ich finde das Layout sehr übersichtlich und das ganze Buch gut lesbar. Wie immer ist in meinen Augen die Übersetzung sehr gut gelungen und das Buch liest sich durchweg sehr gut. Wie schon erwähnt gibt es Karten als Spielhilfe und im Netz finden sich viele (englische) Ressourcen, wie ein Onlinetool, um Ironsworn spielen zu können. Für Roll20 gibt es einen Charakterbogen, der sich derzeit in Bearbeitung findet, um eine Übersetzung zu ermöglichen.


Für wen ist Ironsworn etwas:

  • Für Spieler (und Spielleiter), die ein gut durchdachtes (Solo-)Rollenspiel erleben wollen
  • Für Leute, die sich von wenigen Inspirationen zu spannenden Geschichten leiten lassen wollen
  • Für Spieler, die gerne alleine spielen und ihre Erlebnisse schriftlich festhalten mögen

Für wen ist Ironsworn nichts:

  • Für Spieler (und Spielleiter), die eher taktische anstatt erzählerische Ansätze für Konflikte wollen
  • Für Leute, die ein umfassendes und detailliertes Setting wollen
  • Für Spieler, die umfangreiche Charaktergenerierung und –entwicklung wollen

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