Brancalonia – Settingvorstellung

Für die fünfte Edition des wohl bekanntesten Rollenspiels aller Zeiten gibt es tonnenweise Zusatzmaterial, Abenteuer und natürlich unzählige Settings. Ich persönlich finde, dass sich hier vieles ähnelt und daher eher selten ein Setting wirklich hervorsticht. Umso mehr aufgefallen ist mir Brancalonia mit seinem interessanten Mix und vor allem den Anspielungen auf Popkultur und der italienischen Folklore.


Die Welt:

Die Welt von Brancalonia mixt italienische Folklore, Traditionen und Popkultur zu einem sehr besonderen Setting. Die Macher beschreiben das Ganze als Spaghetti Fantasy (in Anlehnung an die bekannten Spaghetti Western). Ihr seid Fan der Bud Spencer und Terrence Hill-Filme? Dann packt dies in eine Fantasy-Welt und ihr habt eine recht gute Vorstellung, was euch erwartet. Alles spielt im sogenannten Beute-Königreich (engl. Bounty Kingdom), welches sich auf einer Halbinsel befindet. Die einzelnen Regionen sind sehr unterschiedlich und orientieren sich (selbstverständlich) an Italien. Je nach Gruppe kann man sich hier die passendste Region aussuchen, so ist Galaverna etwa das Land der Händler, Geldleiher, Unternehmer und Betrüger. Jede Region hat eine kurze, knackige Beschreibung mit seinen Besonderheiten und, für die Spieler interessant, was man für Jobs und Aufgaben dort erledigen könnte. Die Spieler sind aber keine strahlenden Helden oder Abenteurer, wie in vielen Settings für die 5te Edition, sondern Schurken. Dabei ist der Begriff sehr weitgefasst, sie umfasst alles von Dieben, Bettlern, Deserteuren, Wegelagerern oder Piraten. Die Gruppe ist Teil einer Bande und versucht zu über die Runden zu kommen.

Die Welt beinhaltet Magie, ist aber eher im Bereich der Low-Fantasy anzusiedeln. Die magischen Fertigkeiten sind eher subtil und beinhalten mehr Segen bzw. Flüche. Feuerbälle oder ähnliches sucht man hier vergebens. Das macht die Welt aber nicht weniger interessant und gerade der bodenständige Ansatz macht einen ganzen Teil des Reizes des Settings aus. Ich muss zugeben, dass ich mich mit der italienischen Folklore nicht auskenne, aber beim Lesen des Settings ist mein Interesse daran geweckt worden.

Das Spiel:

Brancalonia ist ein Settting für die 5te Edition und liefert dementsprechend nicht die Grundregeln. Im Buch findet man neue Abstammungen, Subklassen und natürlich einige neue Regeln bzw. Regelelemente, etwa ein neues, ergänzendes Kampfsystem.

Neben der eigenen Version des Menschen, gibt es noch die Begabten (engl. Gifted), welche Zugriff auf Cantrips und Zauber erhalten, sich sonst aber nicht von Menschen unterscheiden. Bei den Morgant, den Halbriesen, kommt die erste Anspielung an Popkultur zum Tragen. Der nette Herr, welcher dort abgebildet ist, erinnert nämlich absolut überhaupt nicht an Bud Spencer. Die Sylvan werden als primitiver und wilder angesehen als Menschen, unterscheiden sich aber auch äußerlich kaum von ihnen. Mein persönlicher Favorit sind die Marionetten, ja richtig gelesen. Man kann eine animierte Marionette spielen und einer der Unterarten ist der Pinocchio. Letzte im eigentlichen Settingbuch sind die Malebranche, Teufel, die ihre Herkunft ablehnten und das Inferno verlassen haben, um auf der Erde zu wandeln.

Für die bestehenden Klassen der 5ten Edition liefert Brancalonia neue Pfade, Schulen, Domänen, etc. Der Barbar erhält den Pfad des Pagan. Der Barde erhält die Schule des Harlequin und kann so Masken für den Karneval kreieren und erhält später Elemente wie Slapstick, die er im Kampf nutzen kann. Für den Kleriker gibt es die Domäne des Wundertäters und die Heiligen um Hilfe anrufen. Als Druide kann man Benandante (Guter Wanderer) werden und beschützt Leute vor Hexen, Teufeln, Monstern und allerlei üblen Dingen. Als Kämpfer kann man den Mantel des Schwertkämpfers nehmen, der Mönch erhält eine Variante die gerne Backpfeifen verteilt und der Paladin den fehlgeleiteten Ritter. Der Ranger kann als Matador auf Monsterjagd gehen, der Schurke bekommt den Räuber. Als Meister der Flüche, Verzauberungen und Feentricks gelten die Supersticians, die neue Herkunft für Sorcerer, der Warlock bekommt mit Jinx einen neuen Patron und die Guiscard, die neue Tradition der Magier, sind Experten für magische Gegenstände.

Natürlich gibt es auch neue Hintergründe und Persönlichkeiten, sowie neue Feats, passend zum Setting. Es gibt diverse neue Regeln, so ist das maximale Level für eure Schurken etwa Level 6 und die viele Ausrüstungsgegenstände sind entweder Schund oder vielleicht sogar gefälscht. Eine kurze Rast dauert in Brancalonia 8 Stunden und für eine lange Rast müsst eine ganze Woche einplanen. Am besten nutzt ihr den Unterschlupf eurer Gruppe, die ihr mit der Zeit weiterentwickeln könnt und die euch so diverse Vorteile liefert, etwa einem Schwarzmarkt oder eine Destille. Auf jeden Charakter gibt es bereits zum Start ein Kopfgeld und dieses wird mit der Zeit auch ansteigen, dadurch steigt aber auch eure Bekanntheit, was Vor- und Nachteile hat.

Für mich eines der spannendsten Elemente sind die Prügeleien, ein neues Kampfsystem für nichttödliche Kämpfe. Hier wird munter auf den Gegner eingeprügelt, mit improvisierten Waffen nachgelegt und jede Klasse bekommt ihre ganz speziellen Manöver. Anstatt von Schaden bekommt man Stufen an Prügel und rutscht auf einer Skala immer weiter nach unten. Der Spielleiter kann auch besondere Effekte loslassen, die alle im Kampf beeinflussen, etwa herumfliegende Stühle. Das System ist sehr einfach, aber liefert auch viele Möglichkeiten und eine nette Abwechslung.

Für Abwechslung können auch die Tavernenspiele liefern, etwa das Brancalonische Büffet, einem Esswettkampf. Die Spiele haben alle sehr übersichtliche Regeln und mit ihnen kann man seinen Geldbeutel etwas aufbessern. Natürlich muss das hart verdiente Geld auch ausgegeben werden und für die Ausschweifungen gibt es eine nette Tabelle.

Brancalonia liefert sieben fertige Abenteuer bzw. Jobs mit und vermittelt damit ein gutes Gefühl für das Setting. Zum Abschluss gibt es eine nette Auswahl an neuen Monstern und Gegnern. Natürlich kann man auch bestehende Monster aus anderen Werken nutzen.

Das Buch:

Brancalonia ist auf Englisch und Italienisch erhältlich, umfasst 186 Seiten und ist vollfarbig. Ich mag das Layout, aber ganz besonders die Abbildungen, weil sie nicht nur stimmig sind, sondern perfekt das Setting visualisieren und einfach Lust drauf machen, Brancalonia zu entdecken. Ich finde die Überschriften aufgrund der Schriftart teilweise schwer zu entziffern und ich hätte mir gewünscht wenn alle neuen Monster direkt bei ihren Stats eine Abbildung gehabt hätten. Ergänzend zum Brancalonia Setting Guide gibt es noch das Macaronicon (ja, ihr habt richtig gelesen) mit den Stretchgoals des Kickstarters. Hier gibt es noch mehr Inhalte, wie neue Subklassen, eine komplett neue Klasse und sehr viele Abhandlungen zum Setting, sogar Fußball im Königreich wird beschrieben. Auch gibt es mehrere neue Abenteuer.


Für wen ist Brancalonia etwas:

  • Für Spieler und Spielleiter, die ein bodenständigeres Fantasy-Setting suchen
  • Für Leute, die Fans von Bud Spencer und Terrence Hill-Filmen sind
  • Für Spieler, die mal keine strahlenden Helden spielen wollen

Für wen ist Brancalonia nichts:

  • Für Spieler und Spielleiter, die eher traditionelle Fantasy bevorzugen
  • Für Leute, die sehr detaillierte Angaben zur Welt brauchen
  • Für Spieler, die epische Abenteuer als Halbgötter erleben wollen

Ein Gedanke zu “Brancalonia – Settingvorstellung

  1. Pingback: Brancalonia – Fazit „The Treasure of the Bigat“ | Würfelabenteurer

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