Crescent Moon – Spielvorstellung

Anhand der Playtest-Version hatte ich zu Crescent Moon ja bereits eine Vorschau verfasst. Jetzt, wo ich die fertige Version in den Händen halte, kommt der Gesamtüberblick. Crescent Moon wurde beim Zine Quest auf Kickstarter finanziert. Für die Regeln stand Blades in the Dark (BitD) Vorbild, allerdings ist Crescent Moon eher auf herzliches und entspanntes Spiel ausgelegt.


Die Welt:

Die Welt von Crescent Moon macht wenige Vorgaben und ermöglicht stattdessen der Gruppe ihre eigene Version des Tagtraums, wie die Welt genannt wird, zu gestalten. Fest steht, dass die Charaktere aus ihrer Welt hierhergekommen sind und in der Regel versuchen wieder zurückzukommen. Die Welt wandelt sich ständig, ist voller Wunder und seltsamer Dinge und lässt die Gruppe, man spielt Kinder oder Jugendliche, nach und nach vergessen. Ein wenig erinnert die Welt an Nimmerland aus Peter Pan, aber auch The Legend of Zelda und Celeste werden als Inspirationsquellen genannt. Zu Beginn des Spiels wird mit Hilfe eines speziellen Bogens Elemente der Welt festgelegt und so individualisiert.

Das Spiel:

Die Grundlage von Crescent Moon basiert auf Forged in the Dark (FitD), allerdings mit diversen Anpassungen. Die Gruppe erstellt gemeinsam ihre Verbindung (quasi die Crew aus BitD). Je nach Wahl der Verbindung sind andere Themen im Vordergrund, die Familie etwa ermöglicht entspanntes, kinderfreundliches Spiel.

Für Charaktere gibt es keine Playbooks, sondern stattdessen einen normalen Charakterbogen. Jeder Charakter besitzt drei Attribute (Fortitude, Insight und Spirit), welche festlegen wie viele Würfel bei normalen Proben gewürfelt werden. Anstatt die Position, Qualität und Wirkung festzulegen, wie man es aus BitD kennt, sondern der Standpunkt (engl. Ground). Ist man unterlegen, dann nutzt man W4, bei normalem Stand W6 und hat man den Vorteil (engl. High Ground), dann sind es W8. Die Verteilung der Ergebnisse nach 6+ für Erfolg, 4 bis 5 für Teilerfolg und 1 bis 3 für Misserfolg bleibt. Einen kritischen Erfolg gibt es bei mehreren Einsen (im Vergleich zu mehreren Sechsern in BitD), damit man selbst bei schlechter Ausgangslage erstaunliches schaffen kann.

Ein wichtiger Punkt in Crescent Moon ist Freundschaft und das Miteinander. Je nachdem ob die Freundschaft distanziert ist oder man sich nahe steht, wird dies durch einen W4 oder W6 repräsentiert, welcher dann zum Einsatz kommt, wenn man sich hilft. Die Freundschaft verändert sich im Laufe der Zeit, was durch Spielzüge (engl. Moves) erfolgt. So kann es sein, dass Misserfolge bei Hilfe die Freundschaft belastet oder gemeinsame Erfolge einen mehr zusammenschweißt.

Sehr interessant finde ich das Inventarsystem von Crescent Moon. Es ist stark von Mausritter inspiriert und nutzt Karten, welche man auf freie Inventarplätze legt. Diese Gegenstände haben eine Mechanik namens Gebrauch und dafür ein bis drei Punkte. Die Art des Gegenstandes entscheidet man der Spieler würfeln muss, um zu überprüfen, ob sich der Gegenstand abnutzt. Natürlich lassen sich Objekte auch wieder reparieren. Bei Zauber, im System Sternsplitter genannt, funktioniert das System etwas anders. Man entscheidet sich vorher, wie viele Nutzungen man riskiert und jeder Punkt gibt einem einen Würfel für die Probe. Jeder Würfel mit einer 3 bis 5 verbraucht dann einen Punkt Nutzung des Sternensplitters. Ebenfalls im Inventar hat man Funken (engl. Spark), welche einen Bonus auf ein Attribut geben und einem eine Art Talent geben, welches man in der Regeln einmal in der Session einsetzen kann.

Als Bonusressource hat jeder Herz (engl. Heart), welche man für zusätzliche Würfel einsetzen kann. Mit dem Einsatz kommt man auch seinem Schatten näher. Der Schatten ist etwas, was den Charakter bedrückt, aber mit der Zeit lernt man ihn kennen und hat man sich zum Schluss miteinander ausgesöhnt, wird es Zeit, dass der Charakter den Tagtraum verlässt. Ich finde die Mechaniken dahinter sehr spannend, vor allem für das eigentliche Rollenspiel eines Charakters.

Der Spielleiter, im Spiel Mond (engl. Moon) genannt, hat ebenfalls eine Ressource, nämlich Drehung (engl. Spin). Je nach gewählter Schwierigkeit erhält der Mond zu Beginn eines Abenteuers unterschiedlich viele dieser Punkte. Mit ihnen kann er Konsequenzen, Gefahren oder Wendungen einführen, ohne, dass ein Spieler dies über seinen Wurf ausgelöst hat. Das Zine bietet trotz der wenigen Seiten viele Werkzeuge zum Bau von Regionen, Bewohnern, Gruppen (die potenziell Probleme bereiten können) und Labyrinthen (vergleichbar mit Dungeon oder in sich geschlossene Sphären mit eigenen Regeln).

Auch Crescent Moon nutzt unterschiedliche Phasen des Spiels. Abenteuer haben ein klares Ziel und können durchaus Action beinhalten, während Verbindungen dafür da sind, dass die Charaktere sich näher kennenlernen, sich um Projekte kümmern und neue Abenteuermöglichkeiten entdecken. Die Aktionen während dieser Auszeit werden ebenfalls über Spielzüge gelöst. Ein kleines nettes Detail ist die Tatsache, dass die Uhren durch Monde mit unterschiedlichen Phasen ersetzt wurden.

Crescent Moon nutzt viele physische Elemente, etwa die Itemkarten, aber auch Erinnerungen werden auf Klebezetteln aufbewahrt, Zustände haben Karten und man hat viele Bögen, etwa für Regionen, den Weltenbau und die Verbindung. Trotzdem kann man Crescent Moon ohne Probleme Online spielen. Es gibt zwei sehr ausführliche Anleitungen (Teil 1 und Teil 2), um die Komponenten in Miro (eigentlich ein Tool zum gemeinsamen Arbeiten) zu implementieren. Das Spielmaterial von Crescent Moon gibt es auch in einer Variante zum Onlinespiel, wo etwa die Karten einzeln aufgeführt sind. In der heutigen Zeit ist das leider noch sehr selten, daher fällt es hier so positiv auf.

Das Zine:

Crescent Moon hat 58 Seiten, ist vollfarbig und ist sehr übersichtlich gestaltet. Das beim Kickstarter präsentierte Artwork hatte damals mein Interesse geweckt und auch im Zine sind die Abbildungen einfach fantastisch. Die Figuren sind allesamt sehr niedlich und kindgerecht, was zum eigentlichen Thema perfekt passt. Es gibt viele Beispiele und einige vorgefertigte Orte, Lebewesen und sogar ein Labyrinth zur Veranschaulichung. Die eigentlichen Bögen zum Charakter- und Weltenbau, sowie die Zettel für den Spielleiter, sind nicht enthalten und können online heruntergeladen werden. Crescent Moon ist trotz seiner wenigen Seiten ein vollständiges Spiel (kompletter als so manch anderes Spiel mit mehreren hundert Seiten), nimmt einen überall an die Hand und gibt einem so viele Ideen und Möglichkeiten, dass es nie langweilig werden kann. Meine Kinder sind noch viel zu klein, aber Crescent Moon ist definitiv ein Spiel womit ich die gesamte Familie an den Tisch bekomme.


Für wen ist Crescent Moon etwas:

  • Für Spieler und Spielleiter, die herzliche und familiengerechte Abenteuer erleben wollen
  • Für Leute, die simple Regeln mögen, die einen an die Hand nehmen
  • Für Spieler, die Spaß am gemeinsamen Weltenbau haben

Für wen ist Crescent Moon nichts:

  • Für Spieler und Spielleiter, die komplexe und eher traditionelle Regeln haben wollen
  • Für Leute, die umfangreiche Charaktergenerierung und –entwicklung wollen
  • Für Spieler, die keine Kinder bzw. Jugendliche spielen wollen

Ein Gedanke zu “Crescent Moon – Spielvorstellung

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