Würfelgeflüster – NPC, Fraktionen und das große Ganze

Ich habe als Spielleiter schon ziemlich viele Jahre auf dem Buckel und ich mache es sehr gerne. Wenn man eine Weile in diesem Hobby ist, dann merkt man worin man gut ist und was man verbessern kann. Ich möchte mich hiermit ein wenig damit auseinandersetzen und damit dem einen oder anderen vielleicht auch ein wenig Hilfestellung geben.


Meine Stärken als Leiter liegen ganz klar in meiner Fähigkeit zur Improvisation und meine Spontanität. Ich kann vieles aus dem Ärmel schütteln und für die Spieler wirkt es so, als wenn alles vorher geplant ist. Aber ich plane für meine Runden in der Regel wenig, ich habe einen groben Rahmen und den Rest lasse ich ganz nach PbtA-Manier offen, denn es ist viel spannender, wenn die Spieler die Richtung bestimmen. Für Oneshots und episodenhafte Runden klappt das sehr gut, aber ich habe gemerkt, dass es bei der einen oder anderen Kampagne bei mir eben dadurch keinen roten Faden gibt. Es fehlt letztlich das große Ganze, denn meist entsteht erst relativ spät dann die Idee, wie die Kampagne ausgehen soll. Das ist etwas schade und deshalb habe ich mir für meine derzeitige SotDL-Runde vorgenommen alles tiefer in eine Rahmenhandlung zu einzubetten. Natürlich wird das nicht zu Beginn klar, sondern erst im späteren Verlauf, wenn die Spieler realisieren sollen, worum es überhaupt geht und wie die Ereignisse zusammen hängen. Aber diese Arbeit fängt dann eben schon früh an und man muss die Brotkrumen legen.

Ein weiter Punkt sind NPCs, ich muss zu meiner Schande geschehen, dass ich oftmals NPCs etwas eindimensional darstelle und es in meinen Abenteuern bzw. Kampagnen an ikonischen Nebencharakteren fehlt. Auch diesen Punkt will ich angehen. Man kann nicht alle Aspekte seines Stils direkt ändern, man muss sich fokussieren und mein Fokus wird jetzt auf eben jenen Figuren liegen, damit die Spielwelt noch lebendiger wird. Vor allem wenn Charaktere öfters vorkommen oder die Spieler ihnen später begegnen ist das ein schönes Erlebnis, wenn der Charakter im Gedächtnis geblieben ist. Aber wie schafft man das? Dazu brauchen die Figuren ein Bewusstsein, Motivationen und Ziele. Wenn sie nur da sind und den Auftrag geben, dann sind sie nicht besser als ein Questgeber in einem Videospiel, aber wir sind im Rollenspiel und die Spieler wollen mit allem interagieren. Und genau so sollte ich es als Spielleiter angehen, den Spielern die Möglichkeit liefern, aber eben keine eindimensionale Figur.

Wenn man das große Ganze und NPCs nimmt, dann kommt ein weiterer Punkt ins Spiel, nämlich Fraktionen. Es gibt immer Interessengemeinschaften und im Rollenspiel ist es nicht anders. Und diese Fraktionen bringen das entscheidende Fünkchen ins Spiel. Denn eine solche Gruppierung hat eine Agenda, sie wollen etwas erreichen und ihre Machenschaften können und sollen die Spielwelt beeinflussen. Einige Spiele wie Stars Without Numbers oder Blades in the Dark nutzen dafür richtige Mechaniken, die Cabals im neuen Conan tun dies ebenfalls. Natürlich kann man als Spielleiter einfach festlegen, wie die Spielwelt sich entwickelt oder, ob die entsprechende Fraktion etwas unternimmt und was, aber es kann auch durchaus spannend werden, wenn man eben dem Zufall überlässt was passiert. Das kann zu sehr interessanten Entwicklungen führen und gerade für jemandem wie mir, der nicht so gerne exzessiv plant und dem Zufall viel Freiraum lässt ist das eine gute Möglichkeit.


Fazit:

Man sollte als Spieler und Spielleiter immer versuchen sich zu verbessern, dies aber Schritt für Schritt tun und mein Fokus liegt jetzt auf den NPCs und ihren Handlungen um die Spielwelt lebendiger zu gestalten. Einige Spiele liefern dazu mögliche Mechaniken und ich werde diese versuchen mit einzubauen.

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2 Gedanken zu “Würfelgeflüster – NPC, Fraktionen und das große Ganze

  1. Hi, interessanter Artikel über die Selbstreflexion als SL. Vieles davon kenne ich von mir selbst, besonders das Improvisieren. Tatsächlich sind NSC und Fraktionen aber mein Ding und glaube du hast dein Problem richtig erkannt: Es ist wichtig, dass alle eine Agenda (so nenne ich es mal zusammenfassend) haben, denn nur wenn es Gründe gibt zu handeln, wie es NSC/Fraktionen nun mal tun, werden sie zu richtigen Figuren(-kompellationen). Dabei reicht es, dass der Grund so banal ist wie „Allem Ärger aus dem Weg gehen“. Und die Attitüde der Figuren sollte ebenfalls halbwegs konsistent bleiben, wenn sie wirklichen Charakter bekommen sollen.
    Würde mich sehr interessieren, wenn du irgendwann noch einmal schreibst, wie sich dein Vorhaben entwickelt hat 🙂

    Schöne Grüße
    John Doe

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